Montag, 21. Juni 2021

01.01.2020 – Frechen Stadtgebiet – Silvesterschicht bei der Feuerwehr Frechen

01.01.2019 – Frechen – Silvesterschicht bei der Feuerwehr Frechen

Die Silvesternacht ist wohl für alle Hilfsorganisationen im Jahr das Highlight. Gerade für die Feuerwehr ist es die Einsatzreichste Nacht im Jahr. Die Stadt Frechen ist mit 50.000 Einwohnern eine mittlere Stadt im Rhein Erft Kreis (BM). Erst im letzten Jahr konnten die Kollegen der hauptamtlichen Wache und des Löschzuges Frechen die neue Wache an der Lindenstraße beziehen. Es ist die modernste und neuste Wache im Kreis. Mit einer Wachstärke von ca. 15 Mann ist die hauptamtliche Wache 24 Stunden, 365 Tage rund um die Uhr besetzt.

Um 07:30 Uhr haben sich die Wachabteilungen abgelöst, aktuelle Probleme und Termine übergeben. Danach wurde die Fahrzeuge übernommen. Von der Wache an der Lindenstraße rücken 24 Stunden 2 Rettungswagen, 1 Notarzteinsatzfahrzeug und Fahrzeuge vom Brandschutz aus. Tagsüber sind 2 Krankenwagen zusätzlich besetzt. Im Ausnahmefall besetzt der Löschzug Frechen die Wache und/oder rückt ebenfalls oder zusätzlich als Ergänzung für die hauptamtlichen Kollegen aus.

Noch während des Fahrzeugübernahme ging der Gong: Voralarm. Alle besetzten umgehend die Fahrzeuge, denn die Wehrleute wissen nie was sie erwartet. Einsatz für den Löschzug der hauptamtlichen Wache, für den Freiwilligen Löschzug Frechen sowie für einen Rettungswagen und den Notarzt. An einem Wohnhaus brannte im Vorgarten etwas Gestrüpp was durch das ersteintreffende Wasserführende Fahrzeug zügig gelöscht werden konnte – der Löschzug Frechen konnte den Einsatz abbrechen und am Standort verbleiben. Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz.

Um sich zu stärken gab es gegen 08:00 Uhr das gemeinsame Frühstück. Die Wachabteilung legt großen Wert auf das gemeinsame Frühstück denn die Gemeinschaft ist ein wichtiges Thema, wie mir viele mitteilen sind die Kollegen auf der Wache so etwas wie eine Familie. Man vertraut sich bild. Nachdem alle gemeinsam gefrühstückt haben hat der Wachabteilungsleiter (WAL) aktuelle Arbeiten, Termine und sonstige wichtige Informationen an die Wachabteilung weitergegeben.

Zwischen Einsätzen ist wenig Zeit für Ruhe. Die Feuerwehrmänner/frauen sind Selbstversorger. Die Wäsche muss gemacht werden, Fahrzeuge müssten gepflegt werden, Atemschutzgeräte müssen geprüft werden und notfalls ausgetauscht werden. Das war nur ein kleiner Teil der Arbeiten die die Wehrmänner Tag für Tag im Arbeitsdienst erledigen müssen. Häufig wird die Zeit auch für Ausbildung genutzt – denn nur wenn man das Vorgehen bei verschiedenen Einsätzen blind beherrscht kann sicher Leben retten.

Um 12:30 Uhr Einsatz für den Rettungswagen auf dem ich bis 19 Uhr mitgefahren bin. Herzschmerzen stand auf dem Digitalen Meldeempfänger. Mit Sonderrechten fuhr der Rettungswagen die Einsatzadresse an, ein Mehrfamilienhaus. Im Erdgeschoss öffnete eine Angehörige bereits die Tür. Durch den Ehemann wurden wir zum Patienten gebracht. Durch den Notfallsanitäter wurde eine Anamnese durchgeführt, der Rettungssanitäter klebte währenddessen ein EKG, erhob den Blutdruck, die Sauerstoffsättigung und die Temperatur. Im Gespräch erzählte der Patient das er Nachts Druck auf der Brust hatte, dies aber jetzt nicht mehr so sei. Im EKG konnte der Notfallsanitäter deutliche Veränderungen erkennen. Alles deutete auf einen Herzinfarkt hin. Nachdem die Erstversorgung in der Wohnung stattfand wurde die Patienten in den Rettungswagen gebracht. Dort wurde Blutabgenommen und Blutverdünnende Medikamente gegeben. Mit Sonderrechten wurde eine Klinik mit einem Herzkatheterlabor angefahren. Nach der Übergabe an das Klinikpersonal wurde der Rettungswagen wieder aufgefüllt und für den nächsten Einsatz startklar gemacht.

Mittags und Nachmittags wurde die Zeit für organisatorische Dinge und Ausbildung genutzt. Unterbrochen wurde die Wehrleute nur durch Einsätze, die nicht zuwenig kamen.

Um 19:00 Uhr hatte sich die gesamte Wachabteilung gemeinsam vorgenommen Raclette zu machen. Alle packten mit an, jeder hatte seine Aufgabe. Einer hat Fleisch geschnitten, der andere die Zwiebeln. Denn alles was auf den Tisch kommt muss durch die Kollegen vor Ort oder zuhause vorbereitet werden. Normalerweise werden immer 2 oder 3 Leute für den Küchendienst eingeteilt, aber für solch ein Abendessen mussten alle mit Anpacken. Glücklicherweise kam kein Einsatz dazwischen, lediglich eine Rettungswagen Mannschaft kam es paar Minuten zu spät aufgrund eines Einsatzes.

Um 20:30 Uhr war dann Zeit für ein Gruppenfoto. Mit Löschfahrzeug und Rettungswagen wurde ein Gruppenfoto vor der neuen Brandschutzhalle gemacht. Danach wurde sich ausgeruht, denn ab 24 Uhr war mit wenig Schlaf zu rechnen.

Um kurz vor 24 Uhr haben sich alle auf dem Dach der Wache getroffen um gemeinsam ins neue Jahr zu starten und mit Orangensaft anzustoßen. Leider konnte man durch den dichten Neben nichtmal das Tor der Wache sehen sodass man nur gemeinsam das knallen gehört hat. Pünktlich um 24 Uhr klingelte dann der Melder eines Rettungswagen. Bevor die Mannschaft den Wagen erreichte konnte der Einsatz schon wieder abgebrochen werden, ein anderer Rettungswagen in der Nähe wurde frei und konnte den Einsatz übernehmen.

Um kurz vor 01:00 Uhr Nachts ging der Gong auf der Wache: Einsatz für den Brandschutz. Feuer-1. Ausrücken musste das HLF20. Auf der Klarengrundstraße brannte ein Mülleimer an der Hauswand eines Mehrfamilienhauses. Noch während der Löschmaßnahmen an der Klarengrundstraße wurde der Löschzug Frechen zu einem weiteren brennenden Müllhaufen alarmiert. Da das hauptamtliche Löschfahrzeug zügig frei wurde konnte das HLF den zweiten Einsatz nur zwei Straßen weiter ebenfalls übernehmen, vor Ort brannte Feuerwerksmüll. Durch einen Trupp unter Atemschutz wurde der Haufen mit dem Schnellangriff abgelöscht. Nach zwei aufeinanderfolgenden Einsätzen war die Besatzung gegen 01:20 Uhr wieder auf der Wache. Die meisten gingen danach ins Bett um sich auszuruhen denn die Nacht war noch jung.

Gegen 03:40 Uhr wurde der Teleskopmast nach Hürth zur überörtlichen Hilfe alarmiert. Der Einsatz konnte aber glücklicherweise noch in der Fahrzeughalle wieder abgebrochen werden. Danach kam kein Einsatz mehr für die Brandschützer.

Ein Rettungswagen wurde gegen 04:45 Uhr noch zu einem schweren Verkehrsunfall nach Pulheim alarmiert. Die Rettungswagen waren die Nacht viel im Einsatz, eine unruhige Nacht für die Rettungsdienste im gesamten Kreis.

Nach 24 Stunden Dienst wurde dann um 07:30 Uhr die Wache wieder an die folgende Wachabteilung übergeben. Wir danken der Feuerwehr Frechen für die Möglichkeit und vielleicht bis zum nächsten mal..!

Jan Ohmen
Jan Ohmen
Journalist von Emergency-Report.de E-Mail Kontakt: jan.ohmen(at)emergency-report.de

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