20.10.2018 – Neuss / Dormagen – Katastrophenschutzübung

Johanniter, THW und Wissenschaftler forschen zu Gefahrenabwehr
Forschungsprojekt mit Übungsabschluss im Rhein-Kreis Neuss

Seit mehreren Monaten treffen sich immer Mitarbeiter der Kreisverwaltung, Vertreter der beteiligten
Universitäten und Hochschulen, Hilfskräfte und die Koordinatoren der Johanniter und des Technischen
Hilfswerks zu vorbereitenden Arbeitsrunden rund um das Projekt REBEKA*.
Verschiedene Aspekte wurden besprochen, Übungsszenarien geplant und ausprobiert, Teil- und
Trockenübungen durchgespielt und die Übung im Kreisgebiet vorbereitet. Der Rhein-Kreis Neuss
hat sich im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes
als sogenannter Referenzkreis bereit erklärt. Mit der Kreisverwaltung, dem Krisenstab und den
verbundenen Hilfsorganisationen und Feuerwehren stellt man die Basis und Mitarbeit für die
praktische Umsetzung des Forschungsprojektes.
Ein Aspekt der Abschlussübung ist die nur beschränkte Verfügbarkeit von zusätzlichen Einsatzkräften,
die Behinderung durch zerstörte Infrastruktur und die mögliche Einbindung sogenannter
Spontanhelfer. Diese formieren sich im Rahmen der zunehmenden Nutzung von sozialen Medien
sehr schnell in der Bevölkerung, wie Hochwasser und Stürme der letzten Jahre gezeigt haben. Aber
wie diese nicht in der Gefahrenabwehr organisierten Kräfte eingebunden und mit welchen Aufgaben
sie problemlos betraut werden können, ist weitestgehen unerforscht und selten geprobt.
Hier setzt der Helfer-Aufruf an, den die Hilfsorganisationen und die Kreisverwaltung unterstützt
durch soziale und klassische Medien in den letzten zehn Tagen veröffentlicht haben. Wie viele
Menschen diesem Aufruf folgen, ohne dass wirklich eine kritische Lage derzeit vorliegt, wird sich
zeigen – je mehr, desto aussagekräftiger die zu gewinnenden Übungsergebnisse.
Die Interessenten wurden auf dem Anmeldeformular gefragt, welche körperlichen Belastungen sie
sich zutrauen, ob sie etwas mit Lebensmittelhygiene beruflich oder privat zu tun haben und ob sie
sich zutrauen auch (geschminkte) blutende oder sonstwie Verletzte zu betreuen.
Nach diesen Rückmeldungen werden die Spontanhelfer vom verantwortlichen Team – an der Spitze
Marcel Kübel vom Johanniter-Landesverband NRW auf die drei Szenarien-Orte verteilt.
Das Basisszenario ist eine (man mag es bei diesem sonnigen Sommer / Herbst gar nicht glauben)
länger anhaltende Regenphase, teilweise mit stürmischen Elementen gespickte Wetterlage in der
ganzen Republik. Der Rhein-Kreis blieb bisher verschont, in umliegenden Kommunen sind
Einsatzkräfte und –stäbe schon länger aktiv.
Am frühen Morgen ziehen ungewöhnlich heftige und von unerwarteten Sturmböen begleitete
Regenfelder aus dem Aachener Raum Richtung Rhein, gleichzeitig bewegt sich eine Hochwasserwelle
rheinabwärts auf Köln und Düsseldorf zu. Schnell werden Meldungen bekannt, die Kräfte in
den Städten und Kreisen des Umlandes binden, so dass man sich entschließt, externe Kräfte aus
anderen Bundesländern hinzuzuziehen. Diese sollen in Neuss im Bereich des Further Kirmesplatzes
und der dort vorhandenen Schule untergebracht und versorgt werden.

Geübt wurde an drei Standorten.

Neuss Furth – Kirmesplatz

Am frühen Morgen haben Helfer der Feuerwehren und Hilfsorganisationen unterstützt von
Spontanhelfern Unterkünfte einrichtet sowie die Versorgung mit Speisen und Getränken sicher
gestellt.

Szenario: Dormagen, Campingplatz Im Grind

Hier hat trotz der relativ schlechten Wetterlage der vergangenen Tage, das Herbstzeltlager einer
Jugendgruppe stattgefunden. Durch eine Windhose bzw. einen Sturmteufel sind die Zelte
durcheinander gewürfelt worden, viele Bäume umgestürzt und verschiedene Personen verletzt
worden, der direkte Weg zum Einsatzort ist zudem unpassierbar, so dass die Helfer sich einen
anderen Weg mussten. Eine Vielzahl von Verletzten war dort zu versorgen.

Szenario: Dormagen-Zons, Hof des Deichverbandes, Uferstraße , später am Deich, Parkplatz Herrenweg

Durch die aufweichenden Deichabschnitte im Bereich Dormagen und die nahende neuerliche
Flutwelle sollte der Deich verstärkt werden. Da keine vorgefüllten Sandsäcke mehr verfügbar waren,
wurden mit Hilfe der Feuerwehren und spontaner Helfer eine zusätzliche Kapazität von 2.500 dieser
hilfreichen Einsatzmittel geschaffen, die dann mit Hilfe des THW’s in sogenannten Quellkaden
eine Verstärkung am Deich darstellten.

Szenario: Kreishaus Grevenbroich

Der Einsatzstab des Kreises arbeitete in der klassischen Lage von dort den Einsatz ab und leitet die
eingesetzten Kräfte an den unterschiedlichen Orten.